Mit vereinten Kräften für die Streuobstwiesen 24.10.2018

Im Kirbachtal arbeiten Ehrenamtliche, Stadt und weitere Organisationen in Zukunft Hand in Hand für die Rettung der heimischen Streuobstwiese. Hilfe gibt es dabei von der Stiftung „Umwelt- und Naturschutz“ der Kreissparkasse (KSK), die das Gemeinschaftsprojekt mit 15 000 Euro anschiebt. Über drei Jahre sollen mithilfe des Geldes Bäume gepflanzt und gepflegt sowie Bürger sensibilisiert werden. Am Dienstag fiel der Startschuss inmitten der Streuobst-Idylle Ochsenbachs.

Federführend beim Projekt ist der Obst- und Gartenbauverein (OGV) Kleinsachsenheim, angestoßen hat das Ganze der Ochsenbacher Obst- und Gartenfachwart Fabian Köstlin (die BZ berichtete). Mit einer ersten Pflanzaktion von 75 Bäumen auf privatem Gelände ist die erste große Aktion schon gelaufen. Genau daran will der OGV jetzt anknüpfen – und bekommt Unterstützung von allen Seiten. Die Stadt Sachsenheim will sich mit dem Bauhof um die
Endabfuhr von Grünschnitt kümmern. Denn eine wesentliche Aufgabe des Projekts wird es sein, die Streuobstbäume von Misteln zu befreien. Dabei hilft auch der BUND Sachsenheim, der Caritas und Diakonie an Bord geholt hat: Finanziert von der Arbeitsagentur, packen auch Arbeitssuchende, die Spaß an Gartenarbeit haben, mit an. Dr. Heinz-Werner Schulte, Vorstandsvorsitzender der KSK, nannte das Gesamtvorhaben ein „Paradebeispiel gelebter und gestalteter Nachhaltigkeit“.

„Wir wollen dazu beitragen, eine Kulturlandschaft zu erhalten, die ebenso alt wie außergewöhnlich ist und die Schönheit unserer Heimat mitprägt“, sagte Kleinsachsenheims OGV-Vorsitzender Markus Braun. Denn: „Was wäre das Kirbachtal ohne seine Streuobstwiesen? Nur Wein, Wald und Wiese.“ Doch es geht, so betonten die Beteiligten, um viel mehr als um ein Stück Kulturgut. „Das Kirbachtal ist die grüne Lunge des Landkreises Ludwigsburg“, meinte Sachsenheims Bürgermeister Horst Fiedler, „es ist wichtig, dass die Menschen diese Kulturlandschaft weiter pflegen, sonst holt sie sich die Natur zurück.“

Für die Umwelt, ergänzte Landrat Dr. Rainer Haas, der auch als Verwaltungsrat der Stiftung der KSK vorsitzt, sind die Streuobstwiesen wichtiger denn je. „Das Insektensterben greift immer mehr um sich. Das wird gefördert durch eine fragwürdige Politik“, meinte er mit Blick auf das weiterhin erlaubte Versprühen von Glyphosat. Es gehe immer nur darum, ob das Pflanzenschutzmittel für Menschen gefährlich sei. „Was außer Acht gelassen wird, ist, was es mit Insekten, vor allem Bienen, macht.“ Denn dort könne sich die Natur noch entfalten.

Die 15 000 Euro sollen über drei Jahre verteilt in drei Bereiche fließen, erklärte Siegfried Jauß vom OGV. Zirka 1000 Euro will der Verein dafür verwenden, um Neupflanzungen zu fördern. Ab Ende der Woche können sich über den Ortsverein, wie schon bei der ersten Pflanzaktion, wieder private Wiesenbesitzer melden, um einen subventionierten Streuobst-Baum günstig zu erwerben. Infos dazu gibt es beim OGV: 3000 Euro sollen in die Pflege der Bäume fließen, für die professionelle Hilfe notwendig ist. Weitere 1000 Euro jährlich will der OGV für Schulungen, Vorträge und Aktionen ausgeben, um das Thema in den Fokus zu rücken und Streuobstwiesen-Besitzer Hilfestellung zu geben.

Den Startschuss fürs Projekt wollten sich auch Ingersheims Bürgermeister Volker Godel, Kreisvorsitzender der Obst- und Gartenbauer, und Ochsenbachs Ortsvorsteher Reiner Weiß, der den OGV bei der Kontaktaufnahme mit den privaten Grundstückbesitzern unterstützte, nicht entgehen lassen. „Das ist eine tolle Sache. In der Vergangenheit war dieses Thema ein wenig außen vor. Es ist wichtig, dass wir auch die Leute wieder dafür sensibilisieren, etwas zu tun. Viele überlassen ihre Wiese der Natur“, betonte Weiß. Wobei das – zumindest bis zu einem gewissen Maße – gar nicht schlecht sein muss, wie Fachwart Köstlin erklärt: „Für Tiere sind auch die Habitatsgrenzen, wie Dornenhecken, wichtig. Dort können sich beispielsweise Neuntöter verstecken. Es ist sogar wichtig, dass es auf der einen Seite Wiesen gibt, die alle zwei Wochen gemäht werden, und auf der anderen Grundstücksbesitzer, die vielleicht nur einmal im Jahr richtig pflegen.“

 

Info

Wer Interesse an einem geförderten Streuobst-Baum hat, kann sich bei Projektmanager Thomas Wörner, Telefon (07147) 5938, melden.

 

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